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Rückblick Konzert

Ach, der erste April. Der Tag im Jahr, an dem man sich normalerweise am besten im trauten Zuhause verkriecht, und dies vorzugsweise hermetisch abgeschirmt. Oder man geht an ein Konzert, denn wer statt lahmen Aprilscherzen lieber aufrichtige Wut erleben wollte, der kam im Werk 21, dank RoadRage Booking, auf seine vollen Kosten. Dieser Einstellung schienen erstaunlich viele Menschen zu folgen, denn der Keller war extrem gut besucht, und zwar nicht nur für einen Montag. Gelohnt hat sich das nicht nur für den Veranstalter (hoffe ich mal), sondern definitiv auch für das lärmlüsterne Volk.

Truth Corroded

Überpünktlich legen die Australier los und servieren Death Metal, welcher Irgendwo zwischen alter und neuer Schule ein Austauschjahr einlegte. Vom ersten Blast an punktet die Band mit riesiger Spielfreude, guter Bühnenpräsenz und tightem Zusammenspiel. Der Sound war dabei sehr mächtig produziert und ziemlich differenziert, wenn auch das Schlagzeug zu Beginn sehr übermächtig im Mix war und die Gitarren entsprechend leider untergingen. Das führte zu der relativ komischen Situation, einen Gitarristen dabei zu beobachten, wie er sein schönstes Solo à la Slayer darbot, ohne das man davon etwas hören konnte. Ausser dem gelegentlichen Whammie-Massaker, naturgemäss. Das sind aber vollkommen natürliche Kinderkrankheiten, wie sie zu Beginn eines jeden Untergrundkonzertes auftreten können, die von der äusserst talentierten Hausmischerin schnell kuriert wurden. So konnte man sich schnell auf die Musik konzentrieren. Das war solider Death Metal Marke Dampfwalze. Kein Feuerwerk der Gefühle, und wohl nichts, das zwingend in die Plattensammlung muss. In Kombination mit der aufrichtigen Spielfreude war Truth Corroded aber eine gute Band zum aufwärmen. Den sympathischen Aussies gefiel es jedenfalls merkbar, und beim späteren Feiern wurde auch freudige Verwunderung über die zahlreich erschienen Gäste kund getan.

The Lion’s Daughter

Band Nummer Zwei im Billing war eine spezielle Angelegenheit. Das Trio aus St.Louis namens The Lion’s Daughter spielt eine interessante Form von Post-Metal, gleichermassen aggressiv wie progressiv, angereichert mit vielen düsteren Synthies, welche die Qualität eines John Carpenter Horror-Soundtracks entfalten. Düster, schräg und für viele ein Grund, den Raum zu verlassen. Für mindestens genauso viele aber eine spannende Entdeckung, die durch Ideenfrische diverse ungläubige Lächeln in die anwesenden Gesichter zaubern konnte. Rein die Präsentation betrachtend war letztere Reaktion eher berechtigt. Die Band webte einen mächtigen Klangteppich, unterstützt durch gleichermassen dichten wie differenzierten Sound, und zeigte dabei eine wunderbar räudige Punk-Attitüde. Die halbe Stunde war jedenfalls schnell Geschichte. Entweder die Musik genissend, oder halt Bier trinkend.

Wormrot

Weiter geht es mit dem heimlichen Headliner aus Singapur, Wormrot. Ohne grosses Brimborium und mit einem Minimum an Ansagen schmettert die Band den Gipfel des kontemporären Grindcore in den Raum. Aggressiv wie sonst nichts, mit einem Plethora an fetten Riffs; an D-Beats und Blasts; an keifend und quiekend und wütendem Gesang; und eingängigen Melodien. Richtig, Grind mit (etwas) Melodie, die dem ganzen ein Alleinstellungsmerkmal verleiht und eine mitreissende Qualität entstehen lässt, ohne dabei die Aggression zu mindern. Das ganze wieder sehr gut abgemischt, dargeboten mit gewaltiger Spielfreude und einer Inbrunst, wie man sie beim westlichen Wohlstandsgrind oft vermisst. Allein die Tatsache, das während des Sets die Leute reinströmten, aber praktisch niemand den Keller verliess, dürfte Attest genug sein, dass hier 40 Minuten Übergrind erklangen. Belohnt wurde die Begeisterung des Publikums sogar mit einer offensichtlich spontanen Zugabe. terima kasih banyak!

Misery Index

Kommen wir zum eigentlichen Headliner. Inbegriff des modernen Death Metal, Live-Hegemonen, die allmächtigen Misery Index legen los. Und… anscheinend mit einem Schlagzeug-Solo. Ja, der Kreis des Abends schliesst sich, Kevin Talley’s Drum, spezifisch seine Bassdrum, übertönt fast alles. Das Drum klingt auch fantastisch, aber eigentlich würden dies auch die Gitarren. Diese gehen zwar nicht so massiv unter wie anfänglich bei Truth Corroded, dafür erfährt man als Zuhörer aber auch keine nennenswerte Besserung im Verlauf des Sets. Sehr Schade, man fragt sich, ob der Mischer von Misery Index nicht lieber der Hausmischerin das Feld geräumt hätte, ihre evidente Fähigkeit sowie Vertrautheit mit der Location wären sicherlich nützlich gewesen. Hier darf jetzt jeder selber einen eigenen Anti-Chauvinistischen Witz einfügen.
Abgesehen vom Klang war der Auftritt sehr tight. Misery Index boten eine Spielfreude und Lockerheit, wie man sie schon länger nicht mehr von ihnen gesehen hat. Und wer Hits wie „The Spectator“ und „Conjuring The Cull“ und „Traitors“ und, und, und… im Gepäck kat, der kann live nicht verlieren. Leider verblassen im Vergleich die Songs vom neuen Album, bis auf das sehr freche „Naysayer“. Sie sind sicherlich sehr solide, aber eine Band, die Meisterwerke wie „Heirs to Thievery“, „The Killing Gods“ und „Retaliate“ im Katalog hat, bei der ist „sehr solide“ leider gleichbedeutend mit „irgendwie langweilig“. Aber genug des Jammern auf hohem Niveau. Der Auftritt war zwar nicht der gewohnte Abriss, aber trotzdem sehr gelungen, denn schlussendlich kann man nur gewinnen, wenn man einen Song wie „You Lose“ hat.

Fazit

Ein Publikum, das zahlreich und motiviert anwesend war, trotz eventueller Widrigkeiten. Vier qualitativ hochwertige Bands voller Spielfreude. Eigentlich gelungener Sound, so fern man die kleinen Beleidigung des klanglichen Alltagslebens ignoriert. Und das alles erstklassig durchorganisiert von RoadRage Booking.
Eigentlich steht diese Show stellvertretend für das ideale Untergrundkonzert, wie man sie gerne (noch) öfter erleben würde in der Schweiz.

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