Review
Author and Punisher & Fange
Im Bad Bonn in Düdingen wird das „Metall zu Metal“: Author and Punisher entlockt selbstgebauten Musik-Maschinen-Instrumenten düstere Töne – elektronisch, aber trotzdem manuell, rauer Doom/Drone/Industrial Metal für den bevorstehenden Weltuntergang. Unterstützt werden sie von der Sludge-Band Fange aus Frankreich, die, obwohl ihnen kurz vor Ankunft fast ihr ganzes Material gestohlen worden wurde, eine überragende Show abliefern.
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This feature is only available for logged in users. Please login or create a account. Login / RegisterUm 21:00 wird es draussen dunkler, und drinnen lauter. Ohrenstöpsel rein – bei diesem Konzert ist Hörschutz unabdingbar – und los geht’s mit Fange. Den vorherigen Auftritt in Mailand hat Author and Punisher alleine bestritten, dies ist also offiziell ihr Touranfang. Doch schon vor dem ersten Auftritt hat Fange mit einem Rückschlag zu kämpfen. Bei der Übernachtung auf dem Weg in die Schweiz wurde in ihr Tour-Van eingebrochen und ein Grossteil ihres Materials gestohlen. Hätte ich es aber nicht schon gewusst, wäre es nicht aufgefallen – die Band spricht es auch nicht an. Trotz minimalistischer Ausrüstung – „made it to Düdingen with the bare minimum to keep the wheels turning“ – schafft die Band eine durchdringende und eindringliche Atmosphäre. Mir fehlt die Referenz zu ihrer üblichen Aufstellung, aber wenn sie schon mit dem „bare minimum“ so tönen, wird man gwundrig, wie sie sonst tönen. Zur Unterstützung verweist die Band nebst Paypal und GoFundMe übrigens auch auf ihr Merch und Diskographie auf Bandcamp – das digitale Angebot ist bis auf Weiteres pay-your-own-price.
Author and Punisher lässt etwas auf sich warten. Das sei aber verziehen, spätestens wenn man die Instrumente auf der Bühne stehen sieht. Zwar ist viel bei Author and Punisher elektronisch, aber trotzdem physisch – die Schiebe-, Schienen- und Drehvorrichtungen sowie die Hebel sind MIDI-Controller, selbstgebaut von Tristan Shone, der Person hinter dem Ein-Mann-Projekt. Begleitet wird er mit einer Gitarre – der Grossteil des Höllenlärms, den man hört, wird aber von Shone selbst produziert. Author and Punisher leiten ihr Set aber sanft ein. Das Vogelgezwitscher, das mich schon auf dem Weg zwischen Bahnhof Düdingen und dem Bad Bonn begleitet hat, ist wieder da. Lange dauert die Ruhe nicht an – Momente später bricht ein durchdringendes Dröhnen durch die Stille, die Bühne wird in gleisend helles Licht getaucht. Die Mensch-Maschine schafft eine eindringliche Klangmauer, die nur beim Portishead-Cover von einigermassen verständlichen Vocals durchdrungen wird – „Give me a reason to love you …“. Der Hall im Mikrofon verklärt die Vocals, aber die sind auch nur ein kleiner Teil des Wall of Sound. Ein Konzert, bei dem man nicht zu nahe an den Lautsprechern stehen sollte, und der Hörschutz immer wieder in die Ohren gedrückt werden muss.
Nach etwa eineinhalb Stunden Klanggewalt ist die Stille der Nacht eine willkommene Abwechslung, der Sternenhimmel bietet ebenfalls Ruhe für die Augen. Ich laufe zum Bahnhof zurück, der Auftritt dröhnt noch in meinen Ohren nach.