Review
Full Of Hell, The Body & Jarhead Fertilizer
Das Musikzentrum Sedel bietet am Sonntagabend die BĂĽhne fĂĽr ein Konzert von Extraklasse: Full of Hell, The Body, Jarhead Fertilizer und Jad legen den Konzertkeller und die Trommelfelle der Zuschauer in TrĂĽmmer.
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This feature is only available for logged in users. Please login or create a account. Login / RegisterDie erste Band des Abends habe ich – wie viele andere auch – verpasst. Die letzten Noten hörte ich noch beim Eingang, die kurze Darbietung der polnischen Punkband Jad hat aber eine halbe Stunde früher als auf der Website angegeben angefangen – um 19:30, und nicht um 20:00. Mir wurde jedoch gesagt, dass es gut war – bei ihrem zweiten Auftritt in der Schweiz werde ich also extra früh und überpünktlich da sein, versprochen.
Jarhead Fertilizer aus den USA spielt ebenfalls zum ersten Mal in der Schweiz. Das Dystopia-inspirierte Bandlogo (und Bandname) täuscht – die vier spielen dĂĽstersten Deathgrind, die ursprĂĽngliche Ausrichtung auf Powerviolence findet man praktisch gar nicht mehr in ihrem Sound. Zwar teilen sie die meisten Mitglieder mit dem Headliner des Abends, Full of Hell, aber auch dort findet sich kein Vergleich. Vor allem ihr neueres Material aus ihren zwei Alben, „Product of my Environment“ (auch als Tattoo auf dem Hals des Drummers zu finden) und „Carceral Warfare“, 2021 und 2023 erschienen, ist sehr viel Death Metal-lastiger, etwas gemächlicher, und vor allem old school. Die Handvoll Songs aus „Opiate Conquest“, einer 2015 erschienenen EP, steuern aber trotzdem Tempo bei – ein gelungener und abwechslungsreicher Auftritt.
- Product of My Environment
- God Soaked Malignancy
- Silence the Narc
- Street Successor
- Mark of the Beast
- Blood of the Lamb
- Baptized by Fire
- Castigation
- Cell Warrior
- Xanax Parasite
- Grinning Collusion
- Parasitic Pathology
- Life is Prison
The Body steht mit einem viel minimalistischeren Line-Up auf der BĂĽhne – ein Schlagzeug, eine Gitarre, ein Mikrofon. Die Amerikaner spielen experimentellen Sludge/Doom Metal, manchmal mehr Noise, manchmal Industrial. Hohe Vocals begleiten die mal langsamen, mal schnellen Riffs und die vielschichtige Verzerrung. Live tönt The Body wie ein Sommergewitter, das man in einer HĂĽtte mit Blechdach ausharrt, der Boden vibriert. Von ihrer Diskografie bin ich dagegen bis jetzt (noch?) nicht ĂĽberzeugt – in Person tönt es besser (und fĂĽhlt sich besser an). Und dass sie als Doom-Band mit diesem Line-Up touren, ist auch nicht ĂĽberraschend – 2016 haben sie zusammen mit Full of Hell das Album „One Day You Will Ache Like I Ache“ herausgebracht. 2017 folgte „Ascending a Mountain of Heavy Light“, diesmal etwas elektronischer.
Apropos Full of Hell: Wer allen drei vorherigen Bands etwas abgewinnen konnte, ist bei Full of Hell an der richtigen Adresse. Die amerikanische Band kann man nicht ganz so einfach beschreiben – Noise? Grindcore? Powerviolence? Einfach experimentierfreudig? Zum Zuhören muss man das auch sein – oder lässt sich einfach von der Energie der Darbietung mitreissen. Das Sedel hat es der Band besonders angetan, denn es „fĂĽhlt sich an wie ein Gefängnis“ – es befindet sich in einem ehemaligen Zuchthaus, bzw. Aktendepot, und wurde ursprĂĽnglich als Zisterzienserinnenkloster gebaut. Davon merkt man im Konzertsaal selber nicht so viel (zumindest ist es zu dunkel, um gross was zu erkennen). Auch die Aussicht gefällt „it’s like a shire here“ – „wie bei uns zu Hause, aber weniger Analphabeten“. Die Verschreiber auf der Setlist sind also verziehen.
- Burning Myrrh
- Transmuting Chemical Burns
- Pile of Dead Horses/Kopf
- Ashen Mesh
- Crawling Back to God
- Shattered Knife
- Doors to Mental Agony
- Bound Sphinx
- Thundering Hammers
- Digital Prison
- Silmaril
- Blue Litmus
- Thrum in the Deep
- Haunted Arches
- Amber Mote
- Schizoid Rapture
- Bone Coral and Brine
- Branches of Yew
- Gnawed Flesh
- Barb and Sap
- Armory of Obsidian Glass