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Zum Einstieg eine Frage: Wenn das Z7 in Pratteln der „Metaltempel“ der Schweiz ist, sollten wir dann anfangen, das Kiff in Aarau als unsere „Metal-Universität“ zu betrachten? Verdient wäre es, denn nirgends in der Schweiz werden einem seit Jahren so viele vorwärtsdenkende Metal-Acts präsentiert, wie im Kiff. So auch diese Tour mit Headliner Revocation und den Vorbands Rivers Of Nihil, Soreption und Archspire. Eine Tour, die eindrucksvoll und brachial beweist, dass es noch sehr viel zu erlernen gibt im technischen Death Metal, und wie vielschichtig ausgeprägt technisches Können sein kann.

Nebenbei gesagt verdient das Kiff nicht nur Lob für die immer wieder gelungenen Bookings, sondern auch dafür, dass man sich hier wirklich extrem Mühe gibt die Konzerte so zu planen, dass man mit dem ÖV wirklich gemütlich nach Hause kommt. Wer jemals während einer Zugabe auf den Zug stressen musste, während die Band gerade den Lieblingssong anspielt, wird das mehr als nur zu schätzen wissen.

 

Rivers Of Nihil

Oder auch: Technisches Death Metal Lernstück eins, komplex verschachteltes Songwriting.

Aus persönlicher Sicht sind Rivers Of Nihil die wahrscheinlich spannendste Band dieser Tour, da sie es immer wieder gekonnt schaffen, technisch unglaublich anspruchsvollen Death Metal zu kreieren, welcher es schafft, die grossen Emotionen zu zelebrieren, ohne auch nur für einen Moment die Brachialität vermissen zu lassen. Präsentiert wird ein schöner Mix aus Songs der letzten der Alben, naturgemäss mit Fokus auf das aktuelle Material. Und wenn man wissen will, wie die Band performt hat, dann kann man effektiv die Alben als Referenz nehmen. Und doch muss einfach betont werden, wie unglaublich Smooth diese Musiker ihre Instrumente spielen, was für wunderbare kleine Variationen der Sänger in seine Harsh Vocals verpackt.Und das, wie ebenfalls auf CD, das Drum etwas zu laut im Mix war und der Sänger gerne ohne seinen komischen „Übersteuerungs“-Effekt auftreten dürfte. Aber der grösste Kritikpunkt: eine halbe Stunde ist schlicht nicht genug, um in die Klangwelten dieser exeptionellen Band einzutauchen.

Soreption

Oder auch: Technisches Death Metal Lernstück zwei, vertrackte rhythmische Spielerei.

Ihr mögt Decapitated, aber deren musikalische Entwicklung sowie gewisse ausstehende Rechtsfragen stossen euch sauer auf? Danket der nonexistenten Entität eurer Wahl, die Schweden von Soreption kommen zu eurer Rettung. Konsequent die rhythmische Komplexität ihrer Vorbilder weiterentwickelnd, präsentieren Soreption den wohl begabtesten Drummer der Tour, der nicht nur mit seinen spielerischen Fähigkeiten das Publikum begeistert, sondern auch mit seinem goblinoiden Grinsen. Dieses Grinsen ergänzt sich auch wunderbar mit der Präsenz des Sängers, der die Aura eines psychotischen Ork versprüht. Es gibt effektiv kaum einen Sänger im Death Metal, der so eine finstere Präsenz vermittelt. Ebenfalls mit dem Gitarristen ergänzt sich das brilliante Drumming. In der Theorie, weil die Songs ein wunderbares Zusammenspiel zwischen den Instrumenten präsentieren, in der Praxis, weil man die Gitarre praktisch nicht hört und man deswegen gut beraten ist, sich für Drummer begeistern zu können. Trotzdem gilt auch hier, eine halbe Stunde ist nicht genug.

Archspire

Oder auch: Technisches Death Metal Lernstück drei, Geschwindigkeit!!!

Fleissige Besucher des Kiff durften Archspire mit ihrem aktuellen Album schon anfang dieses Jahres als Vorband von Despised Icon begutachten. Schon damals eine unglaublich beeindruckende Erfahrung, zaubern sie auch ohne Überraschungseffekt ein ungläubiges Grinsen auf die Gesichter der anwesenden Gäste. Die geschätzten 10‘000 Konzerte, die Archspire seitdem absolviert haben, zeichnen sich definitiv in der Performance ab. Die Band wirkt noch einmal lockerer in ihrer Bühnenpräsentation, Sänger Oli präsentiert eine noch ausgefeiltere Performance und noch kongenialere doofe Sprüche. Auch der Sound ist hier perfekt, es gibt effektiv nichts zu jammern im Bezug auf Archspire, darum wird jetzt gejammert (auf höchstem Niveau): Das Prinzip „speed kills“ nützt sich im Verlauf der 45 Minuten Bühnenzeit doch etwas ab. Es kommt der Gedanke, dass Archspire eigentlich am ehesten geeignet sind für ein 30 Minuten Set. Ein reichlich hypothetischer Gedanke, den am Ende des Abends sind Archspire unglaublich beeindruckend, treffen den Nerv der modernen Tech Death Welt, und haben sich schlicht den Arsch abgearbeitet um an diesem Punkt zu stehen.

Revocation

Oder auch: Technisches Death Metal Lernstück vier, Riffs!!!

Eigentlich sollte es mittlerweile müssig sein, die Vorzüge von Revocation zu besingen. Kaum eine Band im Death Metal Sektor bringt so fleissig konsistent gute Alben unter die Masse, die alle ihren eigenen Vibe versprühen, und kaum eine Band bietet so grossartige Riffs jeglicher Art. Bock auf bösartig epische Black Metal Riffs? Done. Bock auf verschachtelt-jazzige Thrash-Riffs? Done. Bock auf brutale Death Metal  Headbang-Riffs? Done. Und doch sind Revocation, warum auch immer, nachwievor ein Untergrundjuwel, die definitiv nicht den Status erhalten, der verdient wäre. Weder die Musiker einzeln betrachtend, noch als Gesamtwerk. Aber nach diesem Abend dürfte es wieder ein paar Leute mehr geben, welche Revocation den Status zuordnen, der angemessen wäre. Die Band strotzt vor Spielfreude, die Performance ist gewohnt tight, und wie angekündigt: RIFFS!!! Es ist nicht oft genug erwähnbar, wie viele grossartige Riffs diese Band in all ihren Songs verarbeitet. Gelegentlich geht dies zwar zu Lasten des Liedflusses, aber erneut: RIFFS!!! Wer so gekonnt Headbanging erzwingt, dem darf alles andere gerne sekundär sein. Es ist schlicht unglaublich selten, dass eine technische Death Metal Band eine Stunde spielen kann, ohne dass man als Hörer auch nur einen Hauch von Fatigue erlebt. Was doppelt beidruckend ist wenn man bedenkt, was für kopfbeanspruchende Musik vorher dargeboten wurde. Wahrscheinlich liegt es an den „RIFFS!!!“.

Fazit

Statt hier noch abschliessend zu wiederholen, wie toll der Abend war, schlicht eine Frage: Warum war dieses Konzert nicht ausverkauft?

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