Review
Smith/Kotzen - Black light / White Noise Tour 2026
Zwei Gitarren-Virtuosen gemeinsam auf der Bühne – ein Abend, der ganz im Zeichen von Leidenschaft, Spielfreude und technischer Finesse stand. Auf der einen Seite Adrian Smith, seit Jahrzehnten prägender Gitarrist der britischen Heavy-Metal-Institution Iron Maiden. Auf der anderen Richie Kotzen, Ausnahmemusiker mit Stationen bei Poison und Mr. Big, der längst für seinen eigenständigen Stil zwischen Blues, Rock und Soul bekannt ist.
Kennengelernt hatten sich die beiden als Nachbarn während Smiths Zeit in Kalifornien. Was mit lockeren Jam-Sessions begann, entwickelte sich schnell zu einer ernsthaften musikalischen Zusammenarbeit. Aus der spontanen Chemie entstand ein festes Bandprojekt, das inzwischen seit rund fünf Jahren besteht und mehrere Tourneen absolviert hat.
Vom ersten Moment an war spürbar, dass hier zwei Musiker auf der Bühne stehen, die sich nicht beweisen müssen – sondern einfach spielen wollen. Ihr Sound ist eine kraftvolle Mischung aus klassischem Hard Rock, bluesigen Melodielinien und metallischer Wucht. Während Smith mit seinem charakteristischen, melodischen Spiel Akzente setzte, brachte Kotzen seine expressive Stimme und sein gefühlvolles, oft soulgetränktes Gitarrenspiel ein.
Unterstützt wurden die beiden von Julia Lage am Bass, die mit präzisem, druckvollem Spiel das harmonische Fundament legte, sowie Bruno Valverde am Schlagzeug, der mit kraftvollen Grooves und dynamischem Spiel für den nötigen Drive sorgte. Gemeinsam entwickelte die Band eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Immer wieder kam es zu ausgedehnten Instrumentalpassagen, in denen sich Smith und Kotzen gegenseitig die Bälle zuspielten – mal harmonisch im Einklang, mal wie in einem spielerischen Duell, bei dem sich die beiden Gitarristen mit immer neuen Ideen herausforderten.
Neben Songs ihres Debütalbums standen auch zahlreiche Stücke ihres aktuellen Longplayers Black Light/White Noise auf dem Programm. Gerade die neueren Songs überzeugten mit abwechslungsreichen Arrangements, eingängigen Refrains und markanten Riffs.
Setlist
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Life Unchained
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Black Light
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Wraith
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Hate & Love
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Blindsided
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Taking My Chances
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Outlaw
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Darkside
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Got a Hold
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White Noise
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Scars
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Running
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Solar Fire
Zugaben:
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You Can’t Save Me
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Wasted Years
Besonders bei „Wasted Years“ – im Original ein Klassiker von Iron Maiden – zeigte sich nochmals die Verbindung zu Smiths musikalischer Vergangenheit, während Kotzen dem Song mit seiner Stimme eine eigene Note verlieh.
Den Abend eröffnete die Schweizer Bluesband Bluedög um Bandleader Philip Gerber. Sie sprangen kurzfristig für die krankheitsbedingt ausgefallene Kris Barras Band ein. Zwar war das Publikum zu Beginn noch etwas zurückhaltend, doch mit ehrlichem, handgemachtem Bluesrock gelang es der Band zunehmend, die Anwesenden abzuholen. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte der Gastauftritt von Jonas Wolf von Eluveitie, der die Bühne betrat und bei einem Song mitwirkte – eine gelungene Überraschung für die Fans.
Am Ende blieb der Eindruck eines Konzertabends, der weniger von grosser Show als vielmehr von musikalischer Klasse lebte. Zwei Gitarristen, die ihre Instrumente meisterhaft beherrschen, unterstützt von einer eingespielten Rhythmussektion – und ein Publikum, das mit jeder Minute spürbar mehr in den Bann dieses kraftvollen Blues-Metal-Mixes gezogen wurde.
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