Review
Allerseelen Reigen
Eros at Arms, Saegisse Rock und Berggeflvster laden zur Feier von gleich vier neuen Releases in die Alte Gärtnerei. Auf dem Programm: Ys Jensyts und Howl, die den Abend mit einem Dark Ambient Set eröffneten, sowie Fall of Luvah, Arrows und Irr, die jeweils ihren Erstling präsentieren.
Alle Bilder herunterladen
Diese Funktion ist nur für eingeloggte Benutzer verfügbar. Bitte melde dich an oder erstelle ein Konto. Anmelden / RegistrierenUrsprünglich war vorgesehen, das Fall of Luvah den Allerseelen Reigen eröffnet, aber jetzt stehen Ys Jensyts und Howl als Erste auf (oder genauer gesagt, neben) der Bühne. Ys Yensyts und Howl sind zwei Ambient Projekte, die sich für ihr Kollaborationstape „Irrlichtglaube“ zusammengefunden haben. Zwar waren mir beide unbekannt, die Gesichter dahinter aber nicht – und die Person hinter Howl steht später am Abend nochmal mit Irr auf der Bühne. Nebst Synths kommen ein Harmonium, eine akustische Gitarre sowie Rasseln zum Einsatz. Das Duo kreiert eine düstere aber andächtige Atmosphäre, die den Rest des Abends prägt.
- Mithridatium
- Limbus
- Haselhain
- Fare io spirito santo
- Höllensturz
- Krater
Ihre Debütdemo „Dungeons Circled with Ceaseless Fires“ gehört zu meinen meistgehörten Alben (bzw. Demos) letztes Jahr, kein Wunder also, dass ich mich besonders auf den Auftritt von Fall of Luvah freute. Leider gibt es von ihrem älteren Material nicht ganz so viel zu hören – denn die Band feierte die Veröffentlichung ihres Debütalbums „Remnants & Corrupted Memories„, dementsprechend sah auch ihre Setlist vor Allem neues Material vor. Es ist ihr aller erster Auftritt in der Schweiz, und ihr zweiter überhaupt. Ich habe nicht nur nicht gedacht, dass nach der Demo noch irgendwas kommt – ursprünglich war das Ganze ein Projekt aus dem ersten Covid-Lockdown 2020; und schon gar nicht, dass die zwei Musiker, die dahinterstecken, ihre Albumvernissage hier in der Schweiz halten werden. Das Album ist mir dagegen – auch weil es am gleichen Tag erscheint wie das Konzert – (noch) nicht so ganz ans Herz gewachsen. Live tönt es auch nochmal etwas anders, und auch die Interpretation von „Shoals of Torment“ von ihrer Demo war punkiger, rotziger und etwas kraftvoller als die atmosphärischen Klänge auf der Aufnahme. Etwas weniger mein Ding – aber die melodiösen Riffs überzeugen auch auf dem brandneuen Tape. Gekauft habe ich es also trotzdem – nun brauche ich nur noch irgendwas um es auch abzuspielen, denn der zerstörerischen Kraft des Tapedecks meiner Kindheit ist es genauso wenig gewachsen wie die Kasperlikassetten, die es in Spaghetti verwandelt hat. Tipps sind willkommen.
Mit Arrows betreten wir experimentellere Gefilde. Auch sie haben ein brandneues Album im Repertoire, das Ende August erschienene „Yearning Arrows; Cloven Suns„. Die Band bricht in der Inszenierung genauso Konventionen, wie sie es musikalisch tut. Die Gitarre mit Federn geschmückt, in gemusterten Hemden gekleidet und in rot-grünes Licht getaucht wäre bei den meisten anderen Black Metal Bands etwas befremdlich, bei Arrows passt es. Die Idee hinter der Band – und die ersten Songs – gibt es schon seit längerem, aber dies ist erst ihr zweiter Auftritt als Band, und zugleich die Vernissage ihres ersten Albums. Live tönt es ein ganz wenig anders als auf der Aufnahme, denn eine Saite des Gitarristen reisst in Mitte des Sets und schwingt im Takt der Musik mit. Den Unterschied wird aber nur den Alleraufmerksamsten aufgefallen sein. Laut Gitarristen hat er die Melodie sogar verbessert. Zum Glück ist aber Ersatz dabei, und vor dem nächsten Song braucht es nur einen kurzen Moment, bis die zweite Gitarre gestimmt und einsatzbereit ist. Aus der Ruhe gelangen lassen sie sich nicht, und die hypnotischen, leicht psychedelisch angehauchten Riffs, wechselnden Rhythmen weben eine mystische Atmosphäre, bis der allerletzte Ton ausklingt.
Last but not least – Irr. Das Trio hat ebenfalls etwas Neues dabei: Ihr aller erstes Album „Remains Remain„, das Ende Oktober erschienen ist. Im Inneren der Alten Gärtnerei wabert Dunst in der Luft – eine Nebelmaschine kann ich zwar nicht entdecken, aber die nun halb runtergebrannten Kerzen, allerlei menschliche Ausdünstungen und Zigarettenrauch werden auch ihren Anteil daran haben. Irr stimmt mit einem Intro, das an verzerrte Sirenen erinnert, in ihr Set ein. Danach lassen Bass, Gitarre und Schlagzeug den Boden vibrieren. Die Winterthurer spielen Black Metal mit einem Death Metal Einschlag, erdrückend düster. Die minimalistische Beleuchtung, das Kerzenlicht wird nur durch zwei tiefe, auf den Boden gerichtete Scheinwerfer komplementiert, passt gut zur melancholischen Atmosphäre der Musik. Das einzige was fehlte: Die meterhohen Kopfbedeckungen der Gestalten, die den Umschlag ihres Albums zieren. Die hätten aber auch kaum unter die tiefe Decke der Alten Gärtnerei gepasst.
- Off Flesh Subliming
- Unbound
- Twisting and Twirling
- Eternal Immurement
- Crestfallen
- I Am the Flame
- Shallow Graves
- Remains Remain
Eine Zugabe gibt es trotz lauten Zurufen nicht, nur ein instrumentales Outro ertönt, während die Band schon zusammenräumt. Ganz zu Ende ist es aber noch nicht – die Kerzen sind noch kaum zur Hälfte abgebrannt, und nebst musikalischer Unterhaltung von DJ Pablito gibt es draussen noch zu Essen, zu Trinken und alles an Merch, was das Herz begehrt.