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Rückblick Konzert
Sonntags-Metal statt Sonntags-Blues ist das Motto im Gaskessel, und die hungrige Berner Metalcommunity erscheint brav und zahlreich an das Konzert von Nervosa und Konsorten, sicherlich auch dank der freundlichen Entscheidung des Ebrietas, während des Konzerts die Pforten zu schliessen und die Leute ans Konzert zu entsenden. Belohnt wurde man als Anwesender jedenfalls mit einem gelungenen Abend voller Death und Thrash, Retro und Modernität.
Und „2110“-Skandierungen.

Irony Of Fate
Irgendwann vor 21:00 Uhr servieren uns Irony of Fate modernen und melodischen Death Metal auf bestem Niveau, gewohnt tight präsentiert und gleichermassen routiniert wie leidenschaftlich dargeboten. Dabei ist auch immer wieder sehr erfreuenswert erhörbar, wie sich die Songs seit ihrer Aufnahme konstant weiterentwickeln und songwriterische Kinderkrankheiten auskuriert werden, ohne den ursprünglichen Zustand des Liedgutes zu betrügen.
Zwar lässt der Mix durch das ganze Konzert hindurch etwas zu wünschen übrig. Die Gitarren hätten gerne etwas mehr Lautstärke vertragen dürfen, und Frontfrau Cveti dominierte in Sachen Dezibel doch gerade etwas zu stark. Auch wenn es für die geneigten Sangeskünstlerin sicherlich sehr befriedigend war, streckenweise lauter als das Schlagzeug zu sein. Fairerweise sei gesagt, dass diese Klangprobleme schlussendlich eher geringfügig waren und keinerlei Einfluss auf den Unterhaltungswert hatten, und die Fähigkeiten der einzelnen Musiker stehen eh über solch geringfügigen Problemchen. So feierten die zahlreichen Fans die Band ausgelassen, inklusive Circle Pit, und einem beeindruckenden Enthusiasmus für oberländische Postleitzahlen. Einen gelungeneren Start in einen Konzertabend erlebt man selten.

Rezet
Mit besseren Klangverhältnissen, dafür aber durchweg mit weniger Publikum bildeten die deutschen Retro-Thrasher Rezet den Mittelakt dieses Abends. Die Publikumslichtung dürfte dabei primär stilistischen Präferenzen geschuldet sein, und nicht der musikalischen Qualität. Die ist nämlich durchaus auf gehobenen Niveau, insbesondere die Gitarristen wissen technisch zu überzeugen, ohne dabei selbstverliebt frickelig zu spielen. So wird man durch ein Set an Old School Thrash geführt, dass sich irgendwo zwischen Megadeth und frühen Metallica bewegt. Dabei erinnert vor alle auch Frontmann Ricky Wagner oft an die Herren Hetfield und Mustaine, kombiniert mit einer guten Portion Gesangsunterricht.
Guter Sound, gute Gitarrenfraktion, guter Sänger, ergo: So far so good… so what is the problem? denn Rezet können leider nicht über die ganze Spielzeit hinweg überzeugen. Zu oft schleichen sich Längen in die Songs, zu oft vermisst man eine gewisse Dynamik. Das dürfte zum einen am Songwriting liegen.Relativ oft werden Songs, durch zu viele Wiederholungen, in die (Über-)Länge gezogen. Zum anderen dürfte da Drummer Bastian Santen mitschuldig sein. Der Herr ist technisch sicherlich nicht zu belangen, er spielt extrem tight, legt ein gutes Fundament, aber hier kommt das initiale Argument mit dem Stil zum tragen: Das Drumming verlässt sich zu oft auf simplen „Uffta“-Beat und lässt generell Abwechslung vermissen. Prinzipell profitiert diese Art Thrash zwar von eher songdienlichem Drumming, in diesem Fall mutiert die Songdienlichkeit auf Dauer zur Langweile. Mehr wäre hier definitiv mehr, der Drummer erweckt auf jeden Fall den Eindruck, dass er mehr liefern könnte. Man muss aber auch festhalten, dass Thrash prinzipiell für eine bierselige und moshende Existenz geschrieben wurde, und nicht für die Bedürfnisse faul rumstehende Internet-Tastaturkrieger.

Nervosa
Der Schlussakt des Abends bilden die sympathischen Brasilianerinnen. Musikalisch vom ersten Ton an tight und aggressiv, hat man zu Beginn trotzdem den Eindruck, dass sich die Band noch nicht so wohl fühlt auf der Bühne. Zu eingespielt wiederholend wirken die Posen von Bassistin Fernanda, zu statisch wirkt Gitarristin Prika. Nach einigen Songs scheint aber die Band aufzutauen und sich vollkommen der offensichtlichen Spielfreude hinzugeben, auch wenn ein paar kleinere Malheure auf der Bühne immer wieder die Immersion leicht brechen. Der Qualität der Musik tut dies notabene keinen Unterbruch: Das ist Aggro-Thrash guter alter Schule, dabei aber durchaus zeitgemäss klingend. Im Gegensatz zu vielen Retro-Thrashern, welche die 80er unreflektiert nachahmen, bieten Nervosa harten old school Thrash mit modernen Upgrades. Und in ihren individuellen Fähigkeiten kann die Band ebenfalls überzeugen. Seien es die wunderbar giftigen Screams von Fernanda, die durchaus interessanten Riffs von Prika, oder insbesondere die Fähigkeiten von Drummerin Luana Dametto. Die Dame brilliert sowohl in Sachen Tightness als auch Dynamik, wertet mit gekonnte Blasts die alte Thrash-Formel auf und generell gibt es dem Konzert eine wunderbar surreale Note, solch einer zierliche Frau beim extremen Drumming zuzuschauen. Zwar weisen Nervosa ebenfalls die klassische Thrash-Krankheiten im Songwriting auf- zu viele Wiederholungen und zu lange Songs – aber durch die erwähnten Einzelleistungen schafft die Band die Kurve und bleibt konstant unterhaltsam. Zudem muss man preisend erwähnen, dass es die Band schafft im Trio Gitarrensoli zu tragen, was keine Selbstverständlichkeit ist.
Auf jeden Fall ein durchaus gelungenes Konzert, dass mit furiosem Thrash gegen Gender-Klischees vorgeht und diese plättet, wie überrollt von einer Panzerdivision.

Fazit
Sympathische Veranstalter, gute Bands, eine tolle Location mit guter Anlage in Kombination mit hungrigen Bernmetallern ergibt gelungen Konzerte, wer hätte es gedacht? Auf jeden Fall immer wieder gerne, und nicht nur Sonntags.

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2 Comments

  1. Mülä 9. Mai 2019 um 18:29 Uhr - Antworten

    Senf

  2. Adrian 10. Mai 2019 um 15:02 Uhr - Antworten

    Danke fürs gute Interview.

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